10 Fehler, die Einsteiger im E-Commerce vermeiden sollten

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Der Einstieg in den Onlinehandel wirkt auf den ersten Blick unsagbar simpel. Anbieter wie Jimdo oder Strato werben damit, dass man in wenigen Minuten den eigenen Onlineshop erstellen kann. Was soweit auch richtig ist. Ohne strategische Vorüberlegungen, ein gewisses Markting Know-how und eben auch einigem technischen Verständnis wird aber ziemlich sicher der Erfolg ausbleiben. Einen Shop haben ist wie ein Auto haben, das man aber nicht fahren kann und das nur in der Garage steht.

Viele angehende Online-Händler machen sehr typische Fehler, die das Wachstum oder auch überhaupt den Erfolg ihres Shops erheblich bremsen können. Um langfristig erfolgreich zu sein, sollten einige offensichtliche Fallstricke unbedingt vermieden werden.

Hier sind die zehn häufigsten Fehler – und wie du sie umgehst.

1. Du kennst deine Zielgruppe und deinen Markt nicht

Viele Einsteiger starten einen Online-Shop, ohne genau zu wissen, wer ihre Zielgruppe ist und welche Bedürfnisse sie hat. Eine detaillierte Markt- und Zielgruppenanalyse hilft dir, dein Angebot gezielt auszurichten und deine Marketingstrategie effektiver zu gestalten.

Ob das nun die Identifikation lohnender Zielgruppen ist oder den Schritt weiter die Erstellung einer (oder idealerweise mehrere) Buyers Persona: Du muss sie nutzen! Oft werden zwar Personas erstellt, aber dann nicht im eigenen Marketing eingesetzt.

Aber was ist denn nun eine „lohnende Zielgruppe“?

Kaufkraft und Zahlungsbereitschaft: Nur wenn man eine Zielgruppe hat, die sich die Produkte leisten kann UND will, hat man eine lohnende Zielgruppe. Hierfür ist es, neben eben dem Haushaltseinkommen, wichtig zu überprüfen, ob das eigene Produkt Werte bedient, für die jemand auch bereit ist zu zahlen. Das kann z.B. das Gefühl von Sicherheit, das Versprechen von neuen Erlebnissen oder den Status einer Person betreffen. Aber eben selten nicht alles gleichzeitig. Man muss also wissen: Was sind die primären Werte der Zielgruppe?

Marktgröße und Wachstumspotential: Die Abschätzung von Marktvolumen, Marktpotential und auch Marktwachstum ist essenziell. Eine kaufkräftige und kaufwillige Zielgruppe an sich nützt nämlich nur bedingt, wenn sie zu klein ist. Und hier gilt es, realistisch zu sein! Ein Beispiel, dass mir in meiner Agentur immer wieder begegnet ist: Hundefutter. Hochmotivierte (um nicht zu sagen übermotivierte) Hundebesitzer haben ein total tolles, exotisches Hundefutter (z.B. aus Elchfleisch, Emufleisch etc) gefunden, das ihr eigener Hund liebt, ihn gesünder macht usw. Und nun will man dieses spezielle (zumeist auch recht teure) Futter online verkaufen. Denn man hat ja recherchiert, dass es ca. 5 Millionen Hunde in Deutschland gibt, die alle etwas zwischen 100g und 750g am Tag an Futter fressen. Bei mittleren 400g sind das ja 5 Mio x 400g x 365 Tage = 730 Mio KILO Hundefutter. Wenn man da jetzt vielleicht so der Hälfte (so wirklich mal vorgerechnet) die 7,5 Kilo Säcke verkaufen könnte, waren das ja etwa 4 Mio. Säcke im Monat und damit Millionen an Umsatz.

Dass die meisten Menschen lieber 1 Euro/kg Futter im Discounter kaufen, stationäre Tierfutterhändler den höherpreisigen Bereich gut abdecken und die wenigsten von sich aus auf die Idee kommen, ihr Hund müsse Elchfleisch fressen, wird dabei völlig außer Acht gelassen. Die Marktgröße dürfte eher bei 100 Hunden/Besitzern (was vermutlich eher hoch angesetzt ist) liegen, das Wachstum eher nicht vorhanden. Selbst wenn ich davon ausgehe, dass 2x im Monat bestellt würde (was eher hoch angesetzt ist), kämen wir auf ca. 200 Verkäufe im Monat, WENN man denn der einzige Anbieter wäre. Was man aber sicher nicht ist, denn schließlich hat man das Futter ja selbst auch irgendwo bestellen können. Das mag als Zubrot, bei entsprechender Marge, ok sein. Aber selbst dann braucht es doch eine ganze Zeit, bis die Investitionskosten wieder erwirtschaftet wurden.

Realitätssinn ist immens wichtig an dieser Stelle.

2. Du unterschätzt die Konkurrenz

Der Online-Markt ist hart umkämpft. Wer seine Wettbewerber nicht analysiert und ihre Stärken sowie Schwächen nicht kennt, wird es schwer haben, sich zu behaupten. Nutze Wettbewerbsanalysen, um dein Alleinstellungsmerkmal (USP) herauszuarbeiten und deine relevanten Mehrwerte für deine Kunden zu identifizieren.

Doch wie gehst du dabei am besten vor?

Zunächst solltest du herausfinden, wer deine direkten und indirekten Konkurrenten sind. Direkte Wettbewerber bieten ähnliche Produkte oder Dienstleistungen an und sprechen dieselbe Zielgruppe an. Indirekte Wettbewerber hingegen bedienen ähnliche Bedürfnisse, aber mit anderen Lösungen. Nutze Tools wie Google-Suchanalysen, Social Media Monitoring oder Wettbewerbs-Tracking-Software, um deren Strategien, Preisgestaltung, Marketingmaßnahmen und Kundenbewertungen zu analysieren.

Besonders wichtig ist es, die Schwächen deiner Konkurrenten zu erkennen. Gibt es häufige Beschwerden über den Kundenservice? Sind die Lieferzeiten zu lang? Werden bestimmte Bedürfnisse der Kunden nicht erfüllt? Hier kannst du gezielt ansetzen, um dein eigenes Angebot zu optimieren und eine bessere Alternative zu bieten.

Dein USP sollte auf den Stärken deines Unternehmens basieren und einen klaren Nutzen für deine Kunden bieten. Sei es ein herausragender Kundenservice, ein innovatives Produkt oder ein besonders einfaches Einkaufserlebnis – nur wer sich klar differenziert, kann langfristig bestehen.

Auch wichtig ist es hierbei das Thema „Substitute“ auf dem Schirm zu haben: Kannst du mit deinen Produkten und Angeboten eine alternative Lösung anbieten für etwas, für das es bereits eine Lösung gibt? Oder können andere gar dich subsitutieren?

3. Du kümmerst dich zu wenig um mobile Endgeräte und dein Shop ist zu langsam

„Ach, meine Käufer kommen ja gar nicht übers Smartphone“ – das höre ich immer wieder. Besonders in B2B-Unternehmen. Das mag in vielen Fällen auch 2025 noch immer stimmen. Es gibt nur ein ganz großes ABER an dieser Stelle: Jeder, der es eben doch tut, geht verloren. Wohingegen eine mobil optimierte Seite denen, die über den Desktop kaufen, keine Abstriche in der Nutzung machen müssen. Es ist also schlicht fahrlässig zu glauben, mobile Optimierung lohne sich nicht.

Mehr als 50 % der Online-Käufe erfolgen mittlerweile über mobile Geräte, im B2C liegt der Anteil tendenziell höher. Ein nicht responsives Design führt daher zu hohen Absprungraten und damit eben auch Umsatzeinbußen. Stelle sicher, dass dein Shop für Smartphones und Tablets optimiert ist.

Die Ladegeschwindigkeit spielt dabei eine weitere entscheidende Rolle. Nutzer erwarten eine reibungslose Erfahrung – lange Ladezeiten (insbesondere mobil, wo die Bandbreiten noch immer schlechter sind) führen zu Frustration und Kaufabbrüchen. Reduziere unnötige Skripte, optimiere Bilder und nutze moderne Caching-Techniken, um deine Performance zu steigern. Auch die Benutzerführung muss auf mobile Endgeräte zugeschnitten sein: Klare Navigation, große klickbare Buttons und eine intuitive Menüführung erleichtern das Einkaufserlebnis.

Ein weiterer entscheidender Punkt ist der Checkout-Prozess. Lange Formulare, umständliche Eingabefelder oder fehlende mobile Zahlungsmethoden wie Apple Pay oder Google Pay schrecken Kunden ab. Ein optimierter Checkout sorgt für eine höhere Conversionrate und verringert Kaufabbrüche. (siehe auch Punkt 5)

Kurz gesagt: Eine mobile Optimierung bedeutet nicht nur eine schönere Darstellung, sondern kann den Unterschied zwischen Umsatzwachstum und verpassten Chancen ausmachen. Wer sich dem Trend verweigert, verliert potenzielle Kunden an die Konkurrenz.

 

4. Du präsentierst deine Produkte schlecht

Unprofessionelle Produktfotos, unzureichende Beschreibungen und fehlende Kundenbewertungen schrecken potenzielle Käufer ab. Hochwertige Bilder, detaillierte Beschreibungen und authentische Bewertungen steigern das Vertrauen und die Conversion-Rate. Außerdem helfen gute Darstellungen (in Bild und Text) Fehlbestellungen zu vermeiden und damit, Retouren im Rahmen zu halten.

Best Practices für überzeugende Produktdarstellungen

Hochwertige Bilder aus verschiedenen Perspektiven

Produktfotos sollten professionell aufgenommen und in hoher Auflösung verfügbar sein. Kunden möchten das Produkt so detailliert wie möglich betrachten können. Zeige daher dein Produkt aus mehreren Perspektiven – von vorne, von hinten, von der Seite und in der Anwendung. Viele erfolgreiche Online-Shops setzen mittlerweile auf 360°-Ansichten oder kurze Produktvideos, um den Kunden eine realitätsnahe Vorstellung zu ermöglichen. Ein gutes Beispiel ist Zalando, das nicht nur mehrere Bilder pro Produkt bietet, sondern auch kurze Clips, in denen das Kleidungsstück in Bewegung gezeigt wird.

Detaillierte und präzise Produktbeschreibungen

Ein häufiger Fehler ist es, sich nur auf generische Beschreibungen der Hersteller zu verlassen. Erfolgreiche Shops erstellen eigene, zielgruppengerechte Texte, die alle wichtigen Details enthalten: Material, Maße, Gewicht, Funktionen und Anwendungsmöglichkeiten. IKEA macht dies besonders gut, indem sie nicht nur Maße und Materialien angeben, sondern auch Tipps zur Nutzung und Pflege hinzufügen.

Kundenbewertungen und echte Erfahrungsberichte nutzen

Echte Bewertungen sind ein entscheidender Vertrauensfaktor. Amazon zeigt beispielsweise verifizierte Käufe an und bietet die Möglichkeit, Bewertungen mit Bildern und Videos zu versehen. Unternehmen können dies nutzen, indem sie zufriedene Kunden gezielt nach Feedback fragen und Anreize für Bewertungen schaffen (z. B. kleine Rabatte auf Folgebestellungen).

Vergleichstabellen und Infografiken

Um Kunden die Kaufentscheidung zu erleichtern, sind Vergleichstabellen hilfreich. Shops wie MediaMarkt und Saturn setzen dies gezielt ein, indem sie technische Daten nebeneinanderstellen und so Unterschiede zwischen ähnlichen Produkten transparent machen. Infografiken mit den wichtigsten Funktionen auf einen Blick helfen zudem, komplexe Informationen leicht verständlich zu vermitteln.

Anwendungsbeispiele und Storytelling

Produkte sollten nicht nur nüchtern beschrieben, sondern in einem passenden Kontext gezeigt werden. Lego macht das hervorragend, indem sie auf der Produktseite zeigen, wie das fertige Modell aussieht und gleichzeitig Bilder vom Bauprozess bereitstellen. Auch Modehändler wie ASOS setzen auf Storytelling, indem sie Outfits in realistischen Szenarien präsentieren und Styling-Tipps geben.

 

5. Dein Checkout-Prozess ist zu kompliziert

Ein zu langer oder umständlicher Bestellprozess führt oft zu Kaufabbrüchen. Studien zeigen, dass rund 70 % der Online-Käufe abgebrochen werden, wenn der Checkout-Prozess zu kompliziert oder zeitaufwendig ist. Um die Conversion Rate zu maximieren, solltest du den Kaufabschluss so einfach und nutzerfreundlich wie möglich gestalten. Überall – ganz besonders aber mobil.

Auch hier ist wieder die Frage nach der Zielgruppe wichtig: Einige möchten auf Rechnung kaufen, einige per Kreditkarte, wieder andere brauchen von Mal zu Mal die Wahl. Einige wollen unbedingt ein Kundenkonto, andere auf keinen Fall.

Best Practices für einen optimierten Checkout-Prozess

Klare und intuitive Navigation

Kunden möchten schnell und unkompliziert zum Abschluss gelangen. Der Checkout-Prozess sollte so wenige Schritte wie nötig umfassen und eine Schritt-für-Schritt-Anzeige bieten, damit Nutzer jederzeit wissen, wo sie sich befinden. Amazon nutzt beispielsweise einen One-Click-Kauf, um Bestellungen mit nur einem Klick abzuschließen – eine enorme Erleichterung für wiederkehrende Kunden.

Gast-Check-out anbieten

Nicht jeder Kunde möchte ein Konto erstellen. Ein verpflichtender Registrierungsprozess kann eine große Hürde darstellen. Im B2C ist ein Gast-Check-out, wie ihn Zalando oder H&M anbieten, ohnehin durch die DSGVO Pflicht (Händlerbund: Onlineshops müssen Gastbestellungen ermöglichen) Außerdem kann der Gast Check-out die Kaufabbrüche drastisch reduzieren. Kunden können ihre Daten später optional speichern, wenn sie möchten.

Verschiedene Zahlungsmethoden integrieren

Jeder Kunde hat unterschiedliche Präferenzen. Neben klassischen Optionen wie Kreditkarte und PayPal sind moderne Zahlungsmethoden wie Apple Pay, Google Pay oder Klarna (Rechnungskauf & Ratenzahlung) essenziell. Otto.de beispielsweise bietet eine breite Auswahl an Zahlungsmöglichkeiten, was die Conversion-Rate positiv beeinflusst. Aber vorsicht: Hier kommt es nicht ausschließlich auf die Wahlmöglichkeit an. Die von den eigenen Kunden bevorzugten Zahlungsmethoden sollten auch weit oben in der Liste stehen. Niemand sucht gerne nach der Möglichkeit, etwas zu bezahlen.

Autovervollständigung, Adresschecker und einfache Formulare

Vermeide lange Eingabeformulare. Nutze Autovervollständigung für Adressfelder (z. B. durch Google Maps API) und verwende Logik, um überflüssige Eingaben zu reduzieren. Shopify-Shops nutzen dies oft automatisch, um Adressangaben effizient auszufüllen.

Transparenz und Vertrauen schaffen

Versteckten Kosten, die erst am Ende des Prozesses angezeigt werden, führen mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Abbuch. Versandkosten, Lieferzeiten und mögliche Zusatzgebühren sollten von Anfang an sichtbar sein. ASOS zeigt bereits im Warenkorb die geschätzten Lieferzeiten und Kosten, um Überraschungen zu vermeiden.

6. Du vernachlässigst deine Suchmaschinenoptimierung (SEO) oder glaubst, das in einem Projekt erledigen zu können

Ohne eine gezielte Suchmaschinenoptimierung (SEO) wird dein Shop in den Suchergebnissen kaum sichtbar sein – und ohne Sichtbarkeit bleiben auch die Verkäufe aus. Sich darauf zu verlassen, dass potenzielle Kunden über Social Media oder durch die direkte Eingabe des Shop-Namens kommen, ist unrealistisch. Vielmehr suchen Menschen nach bestimmten Produkten oder Lösungen über Google und andere Suchmaschinen. Wer hier nicht erscheint, verliert wertvolle Kunden an die Konkurrenz.

Ein großes Missverständnis ist, dass man halt nur ein SEO-Projekt durchführen muss und dann alles gut ist. Suchmaschinen sind sehr dynamisch. Nicht nur, dass sie ihre Spielregeln durch Algorithmenänderungen ständig verändern, auch der Wettbewerb betreiben SEO. Das macht SEO zu einem Katz-und Mausspiel an zwei Fronten. Einmal muss man versuchen, der Kriterien der Suchmaschine selbst zu genügen, zum anderen muss man das besser tun, als der Wettbewerb. SEO wird so zum Unternehmensprozess und ist eben nicht in einem einmaligen Projekt umsetzbar.

Best Practices für eine bessere SEO-Performance

Keyword-Recherche und Suchintention verstehen

Eine erfolgreiche SEO-Strategie beginnt mit einer gründlichen Keyword-Recherche. Nutze Tools wie Google Keyword Planner, Ubersuggest oder Ahrefs, um herauszufinden, welche Begriffe deine potenziellen Kunden tatsächlich suchen. Dabei ist es wichtig, nicht nur auf allgemeine Keywords (z. B. „Sneaker kaufen“) zu setzen, sondern auch auf Long-Tail-Keywords (z. B. „bequeme weiße Sneaker für Damen“), da diese oft eine höhere Kaufabsicht widerspiegeln.

Suchintention berücksichtigen

ede Suchanfrage folgt einer bestimmten Intention, und Google bewertet Websites danach, wie gut sie diese Absicht erfüllen. Es gibt drei Haupttypen von Suchanfragen:

  1. Do-Anfragen (transaktional) – Der Nutzer möchte eine konkrete Handlung ausführen, z. B. etwas kaufen oder sich anmelden.
  2. Know-Anfragen (informational) – Der Nutzer sucht nach Informationen, etwa Ratgeber oder Produkttests.
  3. Go-Anfragen (navigational) – Der Nutzer möchte eine bestimmte Website oder Marke direkt finden.

Do-Anfragen: Kaufabsicht erkennen und optimieren

Transaktionale Anfragen haben die höchste Kaufwahrscheinlichkeit. Begriffe wie „jetzt kaufen“, „bestellen“, „günstig“, „mit Rabatt“ oder „online kaufen“ zeigen an, dass der Nutzer bereit ist, eine Kaufentscheidung zu treffen. Deine Produktseiten sollten genau auf diese Anfragen optimiert sein. Nutze klare Call-to-Actions, einfache Kaufprozesse und überzeugende Produktbeschreibungen, um die Conversion-Rate zu maximieren.

Beispiel:

  • „Nike Air Max günstig kaufen“ → Produktseite mit Kaufoption
  • „Laptop mit Rabatt bestellen“ → Landingpage mit Angeboten

Know-Anfragen: Informieren und Vertrauen aufbauen

Viele Nutzer recherchieren erst, bevor sie eine Kaufentscheidung treffen. Sie suchen nach Produktvergleichen, Anleitungen oder Problemlösungen. Um diese Nutzer frühzeitig abzuholen, solltest du Blogartikel, Ratgeber oder FAQs erstellen, die fundierte Antworten bieten.

Beispiel:

  • „Welcher Sneaker passt zu einem Anzug?“ → Blogartikel mit Styling-Tipps
  • „Beste Laptop-Marken für Studenten“ → Vergleichsseite mit Empfehlungen

Guter Content hilft nicht nur, deine Marke als Expertenquelle zu positionieren, sondern führt oft dazu, dass sich Nutzer nach ihrer Recherche für deinen Shop entscheiden.

3. Go-Anfragen: Nutzer direkt zu dir leiten

Navigational Suchanfragen zielen darauf ab, eine bestimmte Marke oder Website zu finden. Potenzielle Kunden suchen möglicherweise direkt nach deinem Shop oder bestimmten Kategorien darin. Hier ist es wichtig, dass dein Shop technisch sauber aufgebaut ist und deine Hauptseiten in den Suchergebnissen prominent angezeigt werden.

Beispiel:

  • „Zalando Sneaker“ → Zalando-Kategorie „Sneaker“
  • „Nike Store online“ → Offizielle Nike-Webseite

Nutze eine klare Seitenstruktur, Meta-Tags und Schema-Markup, damit Google deine Seiten korrekt interpretiert und relevante Links anzeigt.

Technische SEO und Ladegeschwindigkeit optimieren

Google bevorzugt schnelle und benutzerfreundliche Websites. Stelle sicher, dass dein Shop schnell lädt (unter 3 Sekunden), indem du Bilder optimierst, überflüssige Skripte reduzierst und Caching-Techniken einsetzt. Tools wie Google PageSpeed Insights helfen dabei, Schwachstellen zu identifizieren.

Hochwertiger Content und strukturierte Produktbeschreibungen

Neben technischen Optimierungen ist auch hochwertiger Content entscheidend. Vermeide standardisierte Herstellertexte und erstelle einzigartige Produktbeschreibungen, die die wichtigsten Keywords enthalten, aber gleichzeitig ansprechend und informativ sind. Setze auf strukturierte Daten (Schema-Markup), um Google wichtige Infos wie Preise, Verfügbarkeit und Bewertungen direkt anzuzeigen.

Interne Verlinkung und nutzerfreundliche URLs

Eine logische interne Verlinkung verbessert nicht nur die Benutzererfahrung, sondern hilft auch Suchmaschinen, deine Seiten besser zu verstehen. Nutze sprechende URLs (z. B. deinshop.de/sneaker-weiss-damen statt deinshop.de/prod?id=12345) und verlinke thematisch passende Produkte oder Blogartikel miteinander.

7. Dein Kundenservice ist schlecht

Ich habe zu oft gehört, wie angehende Onlinehändler äußerte: Online ist ja auch alles viel einfacher, allein der Kundenkontakt fällt ja schon mal weg.

An der Stelle hoffe ich dann immer, dass das Erwachen nicht zu hart wird, denn ein schlechter oder nicht erreichbarer Kundenservice kann das Vertrauen der Kunden nachhaltig zerstören und zu negativen Bewertungen führen. Gerade im Online-Handel, wo der persönliche Kontakt fehlt, erwarten Käufer eine schnelle und unkomplizierte Unterstützung bei Fragen und Problemen. Du hast also nicht nur Kundenkontakt, die Kunden erwarten auch viel! Bleibt die Erfüllung dieser Erwartung aus oder verzögert sich eine Antwort übermäßig, führt das oft zu Frustration und möglicherweise dazu, dass Kunden sich nach Alternativen umsehen. Der Wettbewerb ist schließlich nur einen Klick entfernt.

Um das zu vermeiden, sollte der Kundenservice gut erreichbar sein und zügig auf Anfragen reagieren. Lange Wartezeiten oder unklare Zuständigkeiten schrecken Kunden ab und sorgen für ein negatives Kauferlebnis. Ein gut strukturierter Support mit klaren Prozessen stellt sicher, dass Anliegen effizient bearbeitet werden. Dabei ist es wichtig, verschiedene Kontaktmöglichkeiten anzubieten, damit jeder Kunde auf seinem bevorzugten Weg Unterstützung erhält. Während einige lieber eine E-Mail schreiben, bevorzugen andere den direkten Austausch per Telefon, Live-Chat oder über soziale Medien.

Neben der Erreichbarkeit ist Transparenz essenziell. Klare Informationen zu Versand, Rückgabe und Reklamationen helfen, Unsicherheiten zu vermeiden. Kunden möchten wissen, wie mit Problemen umgegangen wird und welche Schritte im Fall einer Rückgabe oder eines Defekts erforderlich sind. Ein verständlich kommunizierter, kulanter Umgang mit Beschwerden und ein unkomplizierter Rückgabeprozess können die Zufriedenheit und das Vertrauen in den Shop erheblich steigern.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Möglichkeit für Kunden, sich selbst zu helfen. Eine übersichtliche FAQ-Seite, leicht auffindbare Anleitungen und Hilfestellungen auf der Website reduzieren das Support-Aufkommen und ermöglichen es Kunden, einfache Fragen eigenständig zu klären. Dadurch wird der Support entlastet und kann sich verstärkt um komplexere Anfragen kümmern.

Letztlich ist auch die Art und Weise, wie mit Feedback umgegangen wird, entscheidend. Kunden schätzen es, wenn ihre Anliegen ernst genommen und Lösungen schnell angeboten werden. Wer auf Beschwerden professionell reagiert und kundenfreundliche Lösungen findet, kann sogar aus einer negativen Erfahrung eine langfristige Kundenbeziehung entwickeln. Zufriedene Kunden bleiben dem Shop treu und empfehlen ihn weiter – ein entscheidender Vorteil in einem wettbewerbsintensiven Markt.

8. Du vernachlässigst Logistik und Lagerverwaltung

Lieferverzögerungen und fehlende Bestandskontrollen: Können Waren nicht geliefert werden kann das  schnell zu unzufriedenen Kunden führen. Wer online einkauft, erwartet eine reibungslose Abwicklung, transparente Lieferzeiten und eine verlässliche Zustellung. Kommt es zu Verzögerungen oder stellt sich nach dem Kauf heraus, dass das gewünschte Produkt doch nicht verfügbar ist, führt das oft zu Frustration und schlimmstenfalls zum Abbruch der Kundenbeziehung. Gerade in Zeiten von schnellen Lieferdiensten und hohen Erwartungen an E-Commerce-Anbieter kann mangelnde Verlässlichkeit gravierende Auswirkungen auf den Ruf eines Shops haben.

Ein effizientes Bestandsmanagement ist daher essenziell, um Engpässe zu vermeiden und eine kontinuierliche Warenverfügbarkeit sicherzustellen. Automatisierte Lagerverwaltungssysteme helfen dabei, den Bestand in Echtzeit zu überwachen und Engpässe frühzeitig zu erkennen. Wer mehrere Vertriebskanäle nutzt, sollte sicherstellen, dass die Bestände kanalübergreifend synchronisiert werden, um Überverkäufe oder doppelte Bestellungen zu vermeiden.

Logistikpartner: Neben der internen Lagerverwaltung spielt die Wahl des richtigen Logistikpartners eine entscheidende Rolle. Ein zuverlässiger Versanddienstleister mit pünktlicher Zustellung und einer transparenten Sendungsverfolgung kann das Kundenerlebnis erheblich verbessern. Verzögerungen lassen sich zwar nie vollständig vermeiden, doch durch klare Kommunikation und schnelle Lösungen lassen sich negative Erfahrungen abmildern. Kunden sollten jederzeit über den Status ihrer Bestellung informiert sein, sei es durch automatisierte E-Mails, eine Echtzeit-Tracking-Funktion oder eine einfache Möglichkeit, sich bei Verzögerungen an den Support zu wenden.

Retouren sind auch ein Logistikthema! Auch eine optimierte Retourenabwicklung gehört zu einer funktionierenden Logistikstrategie. Unkomplizierte Rücksendungen und ein effizienter Austauschprozess tragen dazu bei, das Vertrauen der Kunden zu erhalten. Ein Unternehmen, das seine Bestände gut verwaltet und mit zuverlässigen Partnern zusammenarbeitet, kann sich so langfristig von der Konkurrenz abheben und für eine hohe Kundenzufriedenheit sorgen.

9. Du hast keine klare Marketingstrategie

Viele Einsteiger setzen auf wahllose Werbung ohne strategischen Plan oder schlimmer noch: glauben, dass Onlinehandel eh ein Selbstläufer ist. Sie investieren in Anzeigen, ohne eine klare Zielgruppe definiert zu haben, oder versuchen, über verschiedene Kanäle Reichweite zu generieren, ohne deren Effektivität zu messen. Das führt oft zu hohen Marketingausgaben mit wenig messbarem Erfolg. Erfolgreiches E-Commerce-Marketing erfordert stattdessen eine durchdachte Strategie, die gezielt auf die Bedürfnisse der potenziellen Kunden abgestimmt ist und verschiedene Kanäle sinnvoll kombiniert.

Ein effektives Marketingkonzept umfasst mehrere wichtige Bausteine:

  • Social Media Marketing: Plattformen wie Instagram, Facebook oder Pinterest bieten enormes Potenzial, um Markenbekanntheit aufzubauen und eine Community um das eigene Produkt zu schaffen. Visuell ansprechender Content, interaktive Stories und gezieltes Influencer-Marketing können dabei helfen, die Reichweite zu erhöhen. Beispielsweise setzen viele Mode- und Lifestyle-Marken auf Instagram Reels und Kooperationen mit Influencern, um ihre Produkte authentisch zu präsentieren.
  • E-Mail-Marketing: Einer der leistungsstärksten Kanäle für den direkten Kundenkontakt. Durch gezielte Newsletter, personalisierte Angebote und automatisierte Follow-up-E-Mails lassen sich Bestandskunden binden und Neukunden in Käufer umwandeln. Ein gut strukturiertes E-Mail-Marketing-System kann etwa mit Willkommensmails für neue Abonnenten, Rabattaktionen für Erstkäufer oder Erinnerungen an verlassene Warenkörbe arbeiten.
  • PPC-Werbung (Pay-per-Click): Google Display und Search Ads, Facebook Ads oder Amazon Sponsored Listings ermöglichen es, potenzielle Kunden gezielt anzusprechen. Der Schlüssel liegt darin, die richtigen Keywords und Zielgruppen auszuwählen, um Streuverluste zu minimieren. Wer beispielsweise einen Online-Shop für nachhaltige Kosmetik betreibt, kann gezielt Google Ads für Suchbegriffe wie „vegane Hautpflege kaufen“ schalten und so genau die Nutzer erreichen, die bereits Kaufabsicht haben.
  • Retargeting-Maßnahmen: Viele Besucher eines Online-Shops kaufen nicht beim ersten Besuch. Durch Retargeting-Strategien lassen sich diese potenziellen Kunden über gezielte Anzeigen erneut ansprechen, beispielsweise mit individuellen Produktempfehlungen oder Rabatten für Warenkorbabbrecher. Ein klassisches Beispiel: Ein Kunde besucht eine Website für Laufschuhe, verlässt sie jedoch ohne Kauf – später sieht er gezielte Bannerwerbung für das gleiche oder ein ähnliches Produkt auf anderen Webseiten oder in sozialen Netzwerken.

Neben diesen Maßnahmen ist eine kontinuierliche Analyse entscheidend. Tools wie Google Analytics, Facebook Pixel oder E-Mail-Tracking helfen dabei, Kampagnen zu überwachen, deren Erfolg zu messen und die Strategie regelmäßig zu optimieren. Unternehmen, die ihr Marketing datengetrieben und strategisch ausrichten, erzielen langfristig bessere Ergebnisse und vermeiden unnötige Kosten durch ineffektive Werbung.

10. Du trackst und analysierst nicht

Ohne eine gründliche Analyse der Shop-Performance lassen sich keine fundierten Entscheidungen treffen. Viele Online-Händler verlassen sich auf ihr Bauchgefühl, anstatt datenbasierte Erkenntnisse zu nutzen, um ihren Shop kontinuierlich zu verbessern. Doch nur wer genau versteht, wie sich Nutzer auf der Website verhalten, welche Produkte besonders gefragt sind und an welchen Stellen Kunden abspringen, kann gezielt Maßnahmen ergreifen, um die Conversion-Rate zu steigern und den Umsatz zu optimieren.

Um fundierte Entscheidungen zu treffen, solltest du mindestens diese Analyse-Tools einsetzen und dir einen Plan erstellen, wie du die Daten monitoren willst:

  • Google Analytics (plus Search Console): Ermöglicht detaillierte Einblicke in das Besucherverhalten auf der Website und in der Suchmaschine, darunter durchschnittlich Anzahl an Anfragen und Platzierung, Verweildauer, Absprungraten, Conversion-Pfade und Herkunft der Nutzer. Besonders wertvoll ist die Analyse der Funnel-Daten, um zu erkennen, an welcher Stelle potenzielle Käufer den Bestellprozess abbrechen.
  • Shop Insights oder Analytics: Bieten spezifische E-Commerce-Kennzahlen wie Umsatz pro Besucher, häufig verlassene Warenkörbe oder wiederkehrende Kunden.

Zusätzlich zur quantitativen Analyse ist auch die qualitative Kundenbefragung ein wichtiger Aspekt. Durch Umfragen oder Feedback-Formulare kannst du herausfinden, welche Probleme Nutzer bei der Navigation oder beim Kaufprozess erleben.

Eine datengetriebene Optimierung bedeutet, regelmäßig KPIs zu prüfen, A/B-Tests durchzuführen und Marketingmaßnahmen entsprechend anzupassen. Beispielsweise kann ein Test zeigen, dass eine Änderung der Button-Farbe oder eine optimierte Produktbeschreibung die Kaufwahrscheinlichkeit erheblich steigert.

Langfristig führt ein gezieltes Monitoring der Shop-Performance nicht nur zu besseren Verkaufszahlen, sondern auch zu einer besseren Nutzererfahrung und einer stärkeren Kundenbindung. Wer die richtigen Tools nutzt und datenbasierte Entscheidungen trifft, bleibt im hart umkämpften E-Commerce-Markt konkurrenzfähig und kann gezielt wachsen.

Fazit

Dein Erfolg hängt maßgeblich davon ab, diese häufigen Fehler zu vermeiden. Mit einer durchdachten Strategie, gezieltem Marketing und einem kundenorientierten Ansatz kannst du nachhaltiges Wachstum für deinen Online-Shop sicherstellen.

 

Nadine Huss

Nadine ist die Autorin des Buchs "E-Commerce-Manager*in", Dozentin und Beraterin.

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