Die aktuellen Aktionen von Donald Trump, vor allem die Einführung von Zöllen auf Importe aus Ländern wie Kanada, Mexiko und China sowie die Drohung mit Zöllen gegen die EU, zusammen mit der dadurch entstehenden Volatilität der Märkte, können den Onlinehandel – auch speziell den deutschen Onlinehandel – zukünftig beeinflussen. Betrachten wir hier also mal, welche Auswirkungen es geben kann und wie wir als deutsche Onlinehändler damit umgehen können.
Welche Auswirkungen können uns treffen?
Da gibt es erst mal die direkten Auswirkungen durch die Zölle selbst, die Waren verteuern. Dazu kommen indirekten Auswirkungen, die durch die schwankenden Märkte entstehen. Die Abhängigkeit viele Händler abhängig von Plattformen wie Amazon ist ein weiterer Faktor. Und dann gibt's noch die Konkurrenz durch Plattformen aus China wie Temu oder AliExpress. Die Logistik auf der ganzen Welt könnte ins Wanken geraten, die im eigenen Land natürlich auch.
Am Ende sind es natürlich besonders unsere Käufer, die es zu berücksichtigen gilt. Wenn die weltpolitische Lage ins Wanken gerät, kann sich die Kauflaune schnell eintrüben. Das haben wir in den vergangenen Jahren bereits im Zuge des Ukrainekriegs deutlich sehen können.
Direkte Auswirkungen durch Zölle
Höhere Kosten für importierte Waren: Trump hat bereits Zölle von 25 % auf Importe aus Mexiko und Kanada sowie 10 % auf Waren aus China eingeführt (Stand Februar 2025) und droht mit ähnlichen Maßnahmen gegen die EU, zuletzt warf er mit 200 % Zöllen für europäisches Bier, Whisk(e)y und Wein um sich. Für den deutschen E-Commerce, der stark von globalen Lieferketten abhängt, könnten importierte Produkte (z. B. Elektronik, Kleidung oder Rohstoffe aus Asien) teurer werden, wenn die USA als wichtiger Handelspartner oder Transitmarkt betroffen sind. Diese Kosten könnten an Verbraucher weitergegeben werden, was die Preise im Online-Handel erhöht und die Nachfrage dämpft.
Umleitungseffekte: Chinesische Exporteure, die durch US-Zölle blockiert werden, könnten ihre Produkte verstärkt nach Europa umleiten. Das würde den Wettbewerb im deutschen E-Commerce verschärfen, da günstige Produkte (z. B. von Plattformen wie Temu oder Shein) den Markt überschwemmen könnten. Deutsche Online-Händler müssten dann entweder ihre Preise senken (mit geringeren Margen), um wettbewerbsfähig zu bleiben oder würden Marktanteile verlieren.
Exporte in die USA: Der deutsche Onlinehandel exportiert auch in die USA (z. B. hochwertige Konsumgüter oder Nischenprodukte). Sollten US-Zölle auf EU-Waren eingeführt werden (Trump sprach von „absolut“ möglichen Zöllen), würden diese Produkte für US-Kunden teurer, was die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Anbieter schmälert und Verkäufe unwahrscheinlich macht.
Indirekte Auswirkungen durch volatile Märkte
Wechselkursunsicherheiten: Die Zolldrohungen haben den Euro bereits auf den tiefsten Stand seit November 2022 gedrückt (1,0141 USD im Februar 2025). Ein schwacher Euro macht Importe aus Nicht-Euro-Ländern teurer, was für deutsche E-Commerce-Unternehmen, die auf internationale Ware setzen, die Kosten steigert. Gleichzeitig könnten schwankende Wechselkurse die Preisplanung erschweren und das Vertrauen der Verbraucher schwächen.
Inflationsdruck: Höhere Importkosten durch Zölle und einen schwachen Euro könnten die Inflation in Deutschland und der Eurozone anheizen. Das kann zu einer Rezession führen, wenn Handelskonflikte eskalieren. Für den E-Commerce bedeutet das: Weniger Kaufkraft bei den Verbrauchern, die sich auf preisgünstigere Produkte konzentrieren könnten, anstatt bei hochwertigen deutschen Anbietern zu kaufen.
Börsenunsicherheit: Volatile Märkte beeinflussen auch die Finanzierungsmöglichkeiten von E-Commerce-Unternehmen. Start-ups oder wachsende Firmen, die auf Investitionen angewiesen sind, könnten es schwerer haben, Kapital zu beschaffen, wenn Anleger durch Unsicherheiten zurückhaltend werden.
Spezifische Herausforderungen für den deutschen E-Commerce
Abhängigkeit von globalen Plattformen: Viele deutsche Online-Händler nutzen Plattformen wie Amazon, die stark von US-Entwicklungen beeinflusst sind. Sollten US-Zölle die Kosten für Vorprodukte oder Waren erhöhen, könnten sich die Gebühren oder Verkaufsbedingungen auf diesen Plattformen verschlechtern. Zudem könnten US-Kunden weniger bei deutschen Anbietern über Amazon kaufen, wenn die Preise steigen.
Gleiches gilt aber auch für das Marketing: Wir alle verlassen uns auf amerikanische bzw. chinesische Anbieter von sozialen Netzwerken, Suchmaschinen und Displaynetzwerken. Zumindest die amerikanischen Tech-Konzerne haben sich in großen Teilen hinter Trump gestellt. Unternehmen, die wie Zuckerberg mit Meta oder Bezos mit Amazon (und der Washington Post), wichtige Partner im E-Commerce für Händler weltweit sind.
Logistikkosten: Die Zölle könnten globale Lieferketten stören, insbesondere wenn Handelspartner wie Mexiko oder Kanada betroffen sind, die als Produktionsstandorte für den US-Markt dienen. Deutsche Firmen, die über diese Länder in die USA liefern (z. B. Automobilzulieferer mit E-Commerce-Anteilen), könnten höhere Transport- und Lagerkosten tragen müssen, was ihre Margen drückt.
Verbraucherverhalten: Der deutsche E-Commerce ist auf eine preissensible Kundschaft angewiesen. Steigende Preise durch Zölle oder Inflation könnten dazu führen, dass Verbraucher weniger online kaufen oder auf Billiganbieter ausweichen, was etablierten deutschen Händlern schadet.
Mögliche Chancen für deutsche Onlinehändler
Lokalisierung: Deutsche E-Commerce-Unternehmen könnten von einer stärkeren Fokussierung auf europäische oder lokale Lieferanten profitieren, um Zollrisiken zu minimieren. Das könnte auch mit dem Trend zu Nachhaltigkeit und Regionalität einhergehen, der im E-Commerce immer mehr an Bedeutung gewinnt. Nur, weil global Verkäufe möglich sind, sind sie nicht immer sinnvoll. Lässt man mal all die rechtlichen Regelungen außen vor, bedeutet globales Marketing immer einen immensen Aufwand. Gerade kleinere Händler verkaufen schon jetzt überwiegend im D-A-CH-Bereich oder auch ausschließlich innerhalb Deutschlands. Das könnte in Zukunft zum Vorteil werden. Auch zum Vorteil gegenüber internationaler aufgestellter Konkurrenz, wie einige Plattformen sie darstellen.
Wettbewerbsvorteil durch Qualität: Während Billigprodukte aus China den Markt fluten könnten, könnten deutsche Anbieter mit Qualität und Service punkten, um sich abzuheben. Dafür ist es aber wichtig, auf deutsche oder europäische Hersteller zu setzen. Alternativ kann man natürlich günstige chinesische Hersteller suchen, die nun ihrerseits nach neuen Absatzwegen suchen müssen. Ob man sich aber hier gegen den Versand von billigen Produkten über asiatische Plattformen durchsetzen kann, bleibt fraglich. Der Aufwand dürfte riesig werden.
Langfristige Perspektive
Handelskriegsszenario: Sollte die EU mit Vergeltungszöllen reagieren (wie angekündigt), könnte eine weltweite Zollspirale entstehen. Das Institut für Wirtschaft schätzt, dass ein US-Zoll von 10–20 % die deutsche Wirtschaft in vier Jahren 127–180 Milliarden Euro kosten könnte. Für den E-Commerce würde das eine dauerhafte Schwächung der Exportkraft und eine Verschiebung hin zu einem stärker umkämpften Binnenmarkt bedeuten.
Deglobalisierung: Trumps Politik könnte die internationale Arbeitsteilung erschweren, was den E-Commerce zwingt, sich auf regionale Märkte zu konzentrieren. Für Deutschland, als exportorientierte Nation, wäre das zwar national ein Rückschlag, könnte aber auch Innovationen in der digitalen Infrastruktur fördern.
Fazit zu Trump und dem deutschen Onlinehandel
Der deutsche Onlinehandel steht vor einem ambivalenten Szenario: Kurzfristig könnten
- steigende Kosten,
- verschärfter Wettbewerb durch Umleitungseffekte und
- sinkende Kaufkraft
die Branche belasten.
Mittel- bis langfristig hängt viel davon ab, wie stark die EU und Deutschland auf die US-Politik reagieren – ob mit Gegenmaßnahmen oder Anpassung. Die Volatilität der Märkte verstärkt diese Unsicherheiten zusätzlich.
Gewinnen werden die Unternehmen, die flexibel auf lokale Alternativen setzen und ihre Lieferketten diversifizieren. Sie könnten gestärkt aus der Krise hervorgehen, während andere, die stark von globalen Imports abhängen, unter Druck geraten könnten.